Heimgang unserer Schwester Eustochium
Am 6. September 2022 verstarb plötzlich, aber nicht unerwartet unsere Schwester Eustochium Lotze OSB. Auf den nahenden Tod war sie in den letzten Monaten sehr bewusst zugegangen und konnte ihr Leben, mehr und mehr versöhnt, den Händen ihres Schöpfers anvertrauen. Unbemerkt, wohl mitten in der Nacht, hat er sie nun heute zu sich heimgerufen.
Hildegard Lotze wurde als fünfte von neun Geschwistern am 1. Mai 1937 in Berlin geboren. Als ihr Vater 1947 einen Lehrstuhl für Geologie in Münster erhielt, wurde die Familie in Münster ansässig. Nach der mittleren Reife 1954 freute sich Hildegard, dass sie gleich eine Lehre als Handweberin beginnen konnte. Schon bald zeigte sich, dass in diesem Beruf ihre Stärke lag. Nach der Gesellenprüfung 1957 folgte der Besuch der Werkkunstschule Münster, anschließend der Webschule Sindelfingen mit der Meisterprüfung im Weberhandwerk.
Wieder in Münster, verdichtete sich immer mehr der Gedanke an einen Klostereintritt. Mit vier weiteren jungen Frauen trat sie im April 1961 in die Abtei Varensell ein. Am 22. November 1962 legte sie die erste, drei Jahre später die feierliche Profess ab.
Von Anfang an war Sr. Eustochium mit dem Aufbau der Weberei beschäftigt. In ihren Werken, die vor allem für die Feier der Liturgie bestimmt waren, erwies sie sich nicht nur als meisterhafte Weberin, sondern auch als begabte Künstlerin, die ihre Entwürfe geistlich durchdrang und gestaltete. Ihre Paramente, darunter auch viele Antependien für evangelische Kirchen, besaßen hohe Qualität und waren bis in die letzten Jahre hinein sehr gefragt. Über diese Arbeiten erwuchsen zahlreiche ökumenische Kontakte für unsere Gemeinschaft.
In ihrem geistlichen Leben entdeckte Sr. Eustochium das Medium des Tanzes als genuine Ausdrucksform ihrer persönlichen Gottesbeziehung. In einem Kreis gleichgesinnter Frauen, denen sie über viele Jahre sehr verbunden war, erschloss sie geistliche Texte kreativ und setzte sie in meditativen Tanz um.
Was Sr. Eustochium tat, das tat sie ganz, mit unbeirrbarer Energie und einem gewissen Perfektionismus. Dabei ging sie bis an der Grenzen ihrer Kräfte und auch darüber hinaus. Zeitlebens trug sie schwer an Verletzungen aus Kindheit und frühen Jahren, die sie immer wieder belasteten; wie im Ausgleich dazu konnte sie sich an allem Schönen herzlich freuen. Ihr wacher Sinn für Ästhetik und Gestaltung erstreckte sich bis hinein in die kleinen Dinge des Alltags.
Dankbar und allmählich versöhnter, entdeckte sie im Alter oft hilfreiche Texte – wie dieses Lied von Jürgen Henkys, das sie sehr mochte:
Stimme, die Stein zerbricht,
kommt mir im Finstern nah,
jemand, der leise spricht:
Hab keine Angst, ich bin da.
Sprach schon vor Nacht und Tag,
vor meinem Nein und Ja,
Stimme, die alles trägt:
Hab keine Angst, ich bin da.
Bringt mir, wo ich auch sei,
Botschaft des Neubeginns,
nimmt mir die Angst, macht frei,
Stimme, die dein ist: Ich bin's!
Dass sie nun im österlichen „Neubeginn“ frei und ohne Angst die Stimme ihres Schöpfers vernimmt und Ihn für immer schauen darf, das wünschen und erbitten wir unserer Sr. Eustochium! Am Freitag, den 9. September, um 10 Uhr haben wir für sie die Eucharistie gefeiert und setzten sie anschließend auf dem Klosterfriedhof bei.
Kirchweih-Jubiläum unserer Mitschwestern in Schweden
Am 13. August feierten unsere Mitschwestern im „Helige Hjärtas Kloster“ am Omberg das 25-jährige Jubiläum der Weihe von Kirche und Kloster. Wie damals zur Kirchweihe, so fuhr auch jetzt eine Gruppe von Varenseller Schwestern vom 9.-15. August nach Schweden, um das frohe Fest mitzufeiern.
Unsere Gemeinschaften sind einander bleibend verbunden, seit wir Varenseller Benediktinerinnen in den 1980er Jahren die schwedischen Marientöchter aus Vadstena auf dem Weg in die katholische Kirche und in das benediktinische Mönchtum begleiten durften, der schließlich in den Bau des Klosters am Omberg mündete.
Seit 2021 gehört die Gemeinschaft zur neu errichteten „Europäischen Benediktinerinnenkongregation von der Auferstehung“, die Klöster in ganz Europa verbindet. Aus dieser neuen Kongregation kamen aus der Abtei Burg Dinklage ebenfalls einige Schwestern, um das Jubiläum mit den schwedischen Schwestern zu begehen. So wurde es ein Fest voll reicher Begegnungen!
Dieses Jubiläum mit den schwedischen Mitschwestern zu feiern, war uns eine besondere Freude - sowohl für die Reisenden wie auch für die Daheimgebliebenen!
Heimgang unserer Schwester Gisela
Am frühen Morgen des 19. Juli 2022 rief Gott, der Herr über Leben und Tod, unsere Schwester Gisela Kleimann OSB zu sich in die Fülle des österlichen Lebens hinein. Damit endete ein langer Weg der immer weiter abnehmenden Kräfte, zuletzt ein mehrere Tage dauerndes Schweben zwischen Leben und Tod. Wir sind dankbar, sie nun bei Gott geborgen zu wissen.
Gertrud Kleimann wurde 1940 in Gelsenkirchen als zweites von sechs Kindern einer Apothekerfamilie geboren. Nach dem Krieg bauten die Eltern Haus und Geschäft in Recklinghausen auf. Nach ihrer Schulzeit führte eine Ausbildung in Sozialpädagogik Gertrud nach Würzburg und in Kontakt zu den Maria-Ward-Schwestern (heute Congregatio Jesu). 1961 bat sie dort um Aufnahme und erhielt den Namen Gisela. 1969 legte sie in dieser Ordensgemeinschaft die ewigen Gelübde ab. Doch spürte sie bald, dass dies nicht der Weg ihrer Berufung war. Mit Erlaubnis ihrer Oberen bat sie in der Abtei Varensell um Aufnahme und begann im Juli 1970 ein Probejahr, dem ein Noviziatsjahr folgte. Am 14. September 1972 legte sie die Feierliche Profess als Benediktinerin ab.
Schon bald wurde Schwester Gisela die Mitarbeit an unserer Klosterpforte aufgetragen, eine Aufgabe, die sie verantwortungsvoll bis 2018 wahrnahm, lange Jahre davon als erste Gastschwester. Für diese Aufgabe besaß sie ein besonderes Charisma und prägte damit unser Gästehaus. In ihrem Wesen eher still und zurückhaltend – am liebsten war sie allein –, begegnete sie den Gästen aufmerksam und zugewandt. Sie besaß eine gute Menschenkenntnis und einen feinen Humor, konnte aber, wenn nötig, auch sehr direkt sein. Viele unserer Gäste waren Schwester Gisela über Jahrzehnte hin persönlich verbunden.
Auch mit ihren Mitschwestern stand sie in gutem Kontakt. Sie schenkten ihr das Vertrauen und wählten sie immer wieder ins Seniorat, den Rat der Äbtissin. Ihre monastische Treue verband sie mit einer fast schalkhaften inneren Freiheit allem äußeren Regelwerk gegenüber – und gönnte diesen Raum auch anderen, was unter anderem in gemeinsam verbrachten Ferientagen zu erleben war. Zu solchen Ferien gehörte immer auch ein Besuch ihrer beiden Brüder Ludwig und Erich (†), die ebenso treu und regelmäßig nach Varensell kamen und allen im Haus ein Begriff sind.
2007 ernannte die neugewählte Äbtissin Angela Boddem Schwester Gisela zur Priorin, und zwölf Jahre lang diente sie in diesem Amt unserer Gemeinschaft in großer Treue und Verlässlichkeit. Kurz bevor sie 2019 offiziell aus dieser Aufgabe verabschiedet wurde, erlitt sie einen schweren gesundheitlichen Einbruch, in dessen Folge ihre Lebenskraft in den letzten Jahren immer weiter abnahm – nicht aber ihre innere, stille Zufriedenheit trotz aller Einschränkungen.
In solch friedlicher Stille durfte sie nun einschlafen und – so hoffen und erbitten wir für sie – aufwachen im österlichen Licht unseres Herrn.
Am Montag, dem 25. Juli 2022, haben wir für unsere Schwester Gisela die Eucharistie gefeiert und sie anschließend auf unserem Klosterfriedhof beigesetzt. Die darauffolgende Einladung zur Begegnung mit allen, die gekommen waren, wurde ein kleines Fest des Lebens an Schwester Giselas langjähriger Wirkungsstätte, unserem Gästehaus!
Impulse vom Synodalen Weg
An diesem Samstagnachmittag war Frau Dr. Rosel Oehmen-Vieregge, Ordensreferentin unseres Erzbistums, bei uns im Konvent zu Gast. Als engagierte Kirchenrechtlerin führte sie uns in die Thematik des ersten verabschiedeten Grundtextes des Synodalen Weges ein: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“.
Die Referentin bezog ihre Zuhörerinnen von Beginn an dialogisch in die Entwicklung des Themas ein, sodass ein interessantes Gespräch über das Verständnis und das Erleben von Macht in der Kirche zustande kam. Besonders die Gegenüberstellung zentraler Anliegen des Grundtextes mit Passagen aus der Benediktusregel zeigte deutlich, dass der Umgang mit Macht in der kirchlichen Gemeinschaft sich fruchtbar an sehr alten Ordens-Traditionen orientieren könnte, um problematische Strukturen anders zu gestalten.
Frau Dr. Rosel Oehmen-Vieregge schenkte uns einen lebendigen, weil lebensnahen Austausch über die derzeitige Situation der Kirche und das Bemühen um Reformen. Die Anliegen des Synodalen Weges werden wir weiterhin im Gebet begleiten!

Unsere Hostienbäckerei wird geschlossen
In diesen Wochen endet eine lange Tradition im Kloster Varensell: Wir haben entschieden, unsere Hostienbäckerei aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen.
Eine lange Geschichte
Seit 1905 wurden hier im Haus Hostien gebacken, zunächst für den eigenen Bedarf und die umliegenden Gemeinden, bald auch darüber hinaus. Der Betrieb wuchs und war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Erwerbszweige der Abtei. Kirchen aus ganz Deutschland, manche auch im Ausland, katholische sowie evangelische Gemeinden und Einrichtungen gehörten zu unseren Kunden. Mehrere Angestellte arbeiteten mit in unserer Bäckerei.
Doch in den letzten Jahren ging die Nachfrage stetig zurück: Der nachlassende Kirchenbesuch vieler Gläubigen, Zusammenlegungen von Gemeinden und Reduzierung der Gottesdienste bedeuten letztlich auch weniger Bedarf an Hostien.
Corona-Pandemie
Schließlich brachen die Bestellungen mit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 drastisch ein und erholen sich jetzt nur sehr langsam und keineswegs vollständig. Unter diesen Umständen und angesichts der personellen Situation unserer Gemeinschaft ist es nicht möglich, Hostienbäckerei und -versand wirtschaftlich sinnvoll weiterzuführen.
Es fällt uns nicht leicht, diesen Schritt zu gehen und unseren Hostienbäckerei einzustellen. Für uns Benediktinerinnen bedeutete diese Arbeit immer mehr als nur einen Broterwerb. Der Bezug zum Gottesdienst der Kirche, zur Feier der Liturgie, zu vielen Gemeinden, Küster:innen und Seelsorger:innen war immer lebendig.
Nicht zuletzt haben unzählige Gruppen von Kommunionkindern von nah und fern die Abtei besucht und angeschaut, wie Hostien gebacken werden – und nebenbei erfahren, wie die Schwestern hier im Kloster leben.
Für unsere Kunden haben wir hier einige wichtige Informationen (PDF, 80 KB) zusammengestellt. Darin empfehlen wir Ihnen auch einige Adressen von klösterlichen Betrieben, die sich in Zukunft über Ihre Bestellungen freuen.