Neues aus der Abtei

Ein Abend mit unserer Weggemeinschaft

Kreis der Weggemeinsschaft
Zusammen geistlich unterwegs: unsere „Weggemeinschaft“

Seit nunmehr 25 Jahren besteht in unserer Abtei die „Weggemeinschaft“, eine Gruppe von Christinnen und Christen, die unser Kloster als geistlichen Ort und Quelle der Inspiration erfahren und untereinander durch regelmäßige Treffen und Briefe in geistlichem Austausch verbunden sind.

An ihrem Herbsttreffen luden sie zu diesem Jubiläum uns Schwestern zu einem Grillabend auf der Tenne ein und gestalteten für uns – samt aller Vor- und Nachbereitungen – einen schönen Abend der Begegnung: nicht nur mit leckerem Essen vom Grill, sondern auch mit anregendem Gespräch und abschließender Komplet. Es war eine wunderbare Gelegenheit, sich wiederzusehen oder auch neu kennenzulernen!  

Wir freuen uns sehr über diesen Kreis von Menschen, die je auf ihre Weise mit uns und untereinander im Glauben unterwegs und verbunden sind. Das ist ein kostbares Geschenk für uns alle, ob nun im Kloster und außerhalb ... Ad multos annos!


900 Jahre Prämonstratenser: Ausflug nach Clarholz

Ausflug nach Clarholz
Gemeinsam unterwegs: Konvents-Ausflug nach Clarholz

In diesem Jahr schaut der Orden der Prämonstratenser auf 900 Jahre seines Bestehens zurück. Aus diesem Anlass gestaltete das Diözesanmuseum Paderborn die kirchengeschichtliche Wanderausstellung „Welt und Zeit gestalten. 900 Jahre Prämonstratenserorden“, die an verschiedenen Wirkungsstätten des Ordens im Erzbistum gezeigt wurde.

Am 1Nachmittag des 19. September unternahmen wir einen Konvents-Ausflug ins nahe gelegene Clarholz, um die Ausstellung zu sehen. Dabei erhielten wir eine exzellente Führung durch Herrn Dr. Johannes Meier, Prof. em. der mittleren und neueren Kirchengeschichte, der aus seiner fundierten Kenntnis heraus sehr spannend und lebendig über den Gründer Norbert von Xanten, die Entstehung des Ordens und die frühe Gründung in Clarholz berichtete. Selbst in Clarholz aufgewachsen, spürten wir ihm die Liebe zu diesem ehemaligen Kloster als geistlichem Ort an.

Reich beschenkt und voller Eindrücke kehrten wir am Abend nach Hause zurück, wo wir den Daheimgebliebenen von unseren Erlebnissen berichteten. Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen erfüllenden Nachmittag!


Heimgang unserer Schwester Eustochium

Sr. Eustochium Lotze OSB
Sr. Eustochium Lotze OSB

Am 6. September 2022 verstarb plötzlich, aber nicht unerwartet unsere Schwester Eustochium Lotze OSB. Auf den nahenden Tod war sie in den letzten Monaten sehr bewusst zugegangen und konnte ihr Leben, mehr und mehr versöhnt, den Händen ihres Schöpfers anvertrauen. Unbemerkt, wohl mitten in der Nacht, hat er sie nun heute zu sich heimgerufen.

Hildegard Lotze wurde als fünfte von neun Geschwistern am 1. Mai 1937 in Berlin geboren. Als ihr Vater 1947 einen Lehrstuhl für Geologie in Münster erhielt, wurde die Familie in Münster ansässig. Nach der mittleren Reife 1954 freute sich Hildegard, dass sie gleich eine Lehre als Handweberin beginnen konnte. Schon bald zeigte sich, dass in diesem Beruf ihre Stärke lag. Nach der Gesellenprüfung 1957 folgte der Besuch der Werkkunstschule Münster, anschließend der Webschule Sindelfingen mit der Meisterprüfung im Weberhandwerk.
Wieder in Münster, verdichtete sich immer mehr der Gedanke an einen Klostereintritt. Mit vier weiteren jungen Frauen trat sie im April 1961 in die Abtei Varensell ein. Am 22. November 1962 legte sie die erste, drei Jahre später die feierliche Profess ab.

Von Anfang an war Sr. Eustochium mit dem Aufbau der Weberei beschäftigt. In ihren Werken, die vor allem für die Feier der Liturgie bestimmt waren, erwies sie sich nicht nur als meisterhafte Weberin, sondern auch als begabte Künstlerin, die ihre Entwürfe geistlich durchdrang und gestaltete. Ihre Paramente, darunter auch viele Antependien für evangelische Kirchen, besaßen hohe Qualität und waren bis in die letzten Jahre hinein sehr gefragt. Über diese Arbeiten erwuchsen zahlreiche ökumenische Kontakte für unsere Gemeinschaft.

In ihrem geistlichen Leben entdeckte Sr. Eustochium das Medium des Tanzes als genuine Ausdrucksform ihrer persönlichen Gottesbeziehung. In einem Kreis gleichgesinnter Frauen, denen sie über viele Jahre sehr verbunden war, erschloss sie geistliche Texte kreativ und setzte sie in meditativen Tanz um.

Was Sr. Eustochium tat, das tat sie ganz, mit unbeirrbarer Energie und einem gewissen Perfektionismus. Dabei ging sie bis an der Grenzen ihrer Kräfte und auch darüber hinaus. Zeitlebens trug sie schwer an Verletzungen aus Kindheit und frühen Jahren, die sie immer wieder belasteten; wie im Ausgleich dazu konnte sie sich an allem Schönen herzlich freuen. Ihr wacher Sinn für Ästhetik und Gestaltung erstreckte sich bis hinein in die kleinen Dinge des Alltags.

Dankbar und allmählich versöhnter, entdeckte sie im Alter oft hilfreiche Texte – wie dieses Lied von Jürgen Henkys, das sie sehr mochte:

Stimme, die Stein zerbricht,
kommt mir im Finstern nah,
jemand, der leise spricht:
Hab keine Angst, ich bin da.

Sprach schon vor Nacht und Tag,
vor meinem Nein und Ja,
Stimme, die alles trägt:
Hab keine Angst, ich bin da.

Bringt mir, wo ich auch sei,
Botschaft des Neubeginns,
nimmt mir die Angst, macht frei,
Stimme, die dein ist: Ich bin's!

Dass sie nun im österlichen „Neubeginn“ frei und ohne Angst die Stimme ihres Schöpfers vernimmt und Ihn für immer schauen darf, das wünschen und erbitten wir unserer Sr. Eustochium! Am Freitag, den 9. September, um 10 Uhr haben wir für sie die Eucharistie gefeiert und setzten sie anschließend auf dem Klosterfriedhof bei.


Kirchweih-Jubiläum unserer Mitschwestern in Schweden

Liturgie Omberg
Kirchweih-Jubiläum am Omberg

Am 13. August feierten unsere Mitschwestern im „Helige Hjärtas Kloster“ am Omberg das 25-jährige Jubiläum der Weihe von Kirche und Kloster. Wie damals zur Kirchweihe, so fuhr auch jetzt eine Gruppe von Varenseller Schwestern vom 9.-15. August nach Schweden, um das frohe Fest mitzufeiern.

Unsere Gemeinschaften sind einander bleibend verbunden, seit wir Varenseller Benediktinerinnen in den 1980er Jahren die schwedischen Marientöchter aus Vadstena auf dem Weg in die katholische Kirche und in das benediktinische Mönchtum begleiten durften, der schließlich in den Bau des Klosters am Omberg mündete.

Seit 2021 gehört die Gemeinschaft zur neu errichteten „Europäischen Benediktinerinnenkongregation von der Auferstehung“, die Klöster in ganz Europa verbindet. Aus dieser neuen Kongregation kamen aus der Abtei Burg Dinklage ebenfalls einige Schwestern, um das Jubiläum mit den schwedischen Schwestern zu begehen. So wurde es ein Fest voll reicher Begegnungen! 

Dieses Jubiläum mit den schwedischen Mitschwestern zu feiern, war uns eine besondere Freude - sowohl für die Reisenden wie auch für die Daheimgebliebenen!


Heimgang unserer Schwester Gisela

Portrait Sr. Gisela
Sr. Gisela Kleimann OSB

Am frühen Morgen des 19. Juli 2022 rief Gott, der Herr über Leben und Tod, unsere Schwester Gisela Kleimann OSB zu sich in die Fülle des österlichen Lebens hinein. Damit endete ein langer Weg der immer weiter abnehmenden Kräfte, zuletzt ein mehrere Tage dauerndes Schweben zwischen Leben und Tod. Wir sind dankbar, sie nun bei Gott geborgen zu wissen.

Gertrud Kleimann wurde 1940 in Gelsenkirchen als zweites von sechs Kindern einer Apothekerfamilie geboren. Nach dem Krieg bauten die Eltern Haus und Geschäft in Recklinghausen auf. Nach ihrer Schulzeit führte eine Ausbildung in Sozialpädagogik Gertrud nach Würzburg und in Kontakt zu den Maria-Ward-Schwestern (heute Congregatio Jesu). 1961 bat sie dort um Aufnahme und erhielt den Namen Gisela. 1969 legte sie in dieser Ordensgemeinschaft die ewigen Gelübde ab. Doch spürte sie bald, dass dies nicht der Weg ihrer Berufung war. Mit Erlaubnis ihrer Oberen bat sie in der Abtei Varensell um Aufnahme und begann im Juli 1970 ein Probejahr, dem ein Noviziatsjahr folgte. Am 14. September 1972 legte sie die Feierliche Profess als Benediktinerin ab.

Schon bald wurde Schwester Gisela die Mitarbeit an unserer Klosterpforte aufgetragen, eine Aufgabe, die sie verantwortungsvoll bis 2018 wahrnahm, lange Jahre davon als erste Gastschwester. Für diese Aufgabe besaß sie ein besonderes Charisma und prägte damit unser Gästehaus. In ihrem Wesen eher still und zurückhaltend – am liebsten war sie allein –, begegnete sie den Gästen aufmerksam und zugewandt. Sie besaß eine gute Menschenkenntnis und einen feinen Humor, konnte aber, wenn nötig, auch sehr direkt sein. Viele unserer Gäste waren Schwester Gisela über Jahrzehnte hin persönlich verbunden.

Auch mit ihren Mitschwestern stand sie in gutem Kontakt. Sie schenkten ihr das Vertrauen und wählten sie immer wieder ins Seniorat, den Rat der Äbtissin. Ihre monastische Treue verband sie mit einer fast schalkhaften inneren Freiheit allem äußeren Regelwerk gegenüber – und gönnte diesen Raum auch anderen, was unter anderem in gemeinsam verbrachten Ferientagen zu erleben war. Zu solchen Ferien gehörte immer auch ein Besuch ihrer beiden Brüder Ludwig und Erich (†), die ebenso treu und regelmäßig nach Varensell kamen und allen im Haus ein Begriff sind.

2007 ernannte die neugewählte Äbtissin Angela Boddem Schwester Gisela zur Priorin, und zwölf Jahre lang diente sie in diesem Amt unserer Gemeinschaft in großer Treue und Verlässlichkeit. Kurz bevor sie 2019 offiziell aus dieser Aufgabe verabschiedet wurde, erlitt sie einen schweren gesundheitlichen Einbruch, in dessen Folge ihre Lebenskraft in den letzten Jahren immer weiter abnahm – nicht aber ihre innere, stille Zufriedenheit trotz aller Einschränkungen.

In solch friedlicher Stille durfte sie nun einschlafen und – so hoffen und erbitten wir für sie – aufwachen im österlichen Licht unseres Herrn.

Am Montag, dem 25. Juli 2022, haben wir für unsere Schwester Gisela die Eucharistie gefeiert und sie anschließend auf unserem Klosterfriedhof beigesetzt. Die darauffolgende Einladung zur Begegnung mit allen, die gekommen waren, wurde ein kleines Fest des Lebens an Schwester Giselas langjähriger Wirkungsstätte, unserem Gästehaus!