Geschichte des Klosters Varensell

1900/1901
Die „Benediktinerinnen der Ewigen Anbetung“ in Maria Hamicolt bei Dülmen treffen mit den Einwohnern der Bauerschaft Varensell die Vereinbarung, ein neues Kloster zu errichten: Die Gemeinde stellt vier Hektar Land und Baumaterial zur Verfügung, die Schwestern übernehmen Aufbau und Inneneinrichtung von Kirche und Kloster; die Klosterkirche wird so gebaut, dass sie zugleich als Gemeindekirche dient. Aus dieser Vereinbarung heraus entsteht die für ein Frauenkloster seltene Situation einer engen Verbindung zu einer kirchlichen Gemeinde.

11. Juli 1902
Offizielle Gründung des Klosters mit der ersten Vesper zum Fest des hl. Benedikt. 24 Gründungschwestern unter der Leitung von Priorin Johannes Baptista Pancratz von Maria Hamicolt beginnen das klösterliche Leben in Varensell. Schmale wirtschaftliche Grundlage der junge Gemeinschaft ist eine kleine Landwirtschaft, bald kommen eine Paramentenwerkstatt (1909) und eine Hostienbäckerei (1911) hinzu.

1912
Nach dem Tod der ersten Priorin wählt der Konvent 1912 die Subpriorin Sr. Juliana Ellendorf zu ihrer Nachfolgerin, die jedoch nach kurzer Amtszeit bereits 1915 plötzlich verstarb.

1915
Mit dem Einverständnis des Konventes setzt der Paderborner Erzbischof Karl Joseph Schulte Sr. Hedwig Lenders aus dem Anbetungskloster in Bonn-Endenich als neue Priorin in Varensell ein. Unter ihrer klugen und umsichtigen Leitung stabilisierte sich das Kloster trotz der schwierigen Wirtschaftslage nicht nur in ökonomischer Hinsicht durch die Schaffung leistungsfähiger Werkstätten, sondern auch geistlich:

Von 1917 bis 1931
bemühte sich die Varenseller Priorin zusammen mit P. Thomas Holenstein OSB (Beuron/Mariendonk) innerhalb des Ordensinstituts der „Benediktinerinnen der Ewigen Anbetung“ führend um eine Revision der Konstitutionen, die die französische Ordensgründerin Mechtilde de Bar im 17. Jahrhundert formuliert hatte und die seit ihrer Approbation 1705 unverändert in Geltung waren. Eine Anpassung der Bestimmungen und Bräuche an die Erfordernisse der Zeit stieß jedoch auf so starken Widerstand innerhalb des Instituts, dass die nötigen Reformen trotz jahrelanger Entwurfsarbeit und unermüdlicher Verhandlungen unter den Anbetungsklöstern nicht zustande kamen.

1935
Nach dem Tod der Priorin Hedwig Lenders wählt der Konvent Sr. Juliana Tüte zu ihrer Nachfolgerin. Sie setzte ab 1942 die Bemühungen um die Revision der Konstitutionen fort; es entstanden hauseigene Konstitutionen, die sich an denen der Frauenklöster in der Beuroner Benediktinerkongregation orientierten.

1941-1945
Im sogenannten „Klostersturm“ der Nationalsozialisten bleibt Varensell verschont. Die Schwestern sind dienstverpflichtet, für die Wehrmacht Achselstücke und Litzen zu sticken. Einige aus anderen Klöstern vertriebene oder ausgebombte Schwestern sowie Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet finden gegen Ende des Krieges vorübergehend in Varensell Aufnahme.

1948
Die hauseigenen Konstitutionen werden von Rom approbiert, das Kloster am 15.12.1948 zur Abtei erhoben. Damit scheidet die Gemeinschaft aus dem „Institut der Ewigen Anbetung“ aus.

1949
Die Gemeinschaft wählt ihre bisherige Priorin Juliana Tüte zur ersten Äbtissin, die am 6. Juni 1949 durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger die Äbtissinnenweihe empfängt. Ihr Wahlspruch als Äbtissin wird zugleich das Leitwort der Abtei Unserer Lieben Frau: „Obviam Christo Domino – Christus dem Herrn entgegen“.

1947-1969
Beginn einer Phase reger Bautätigkeit: Die Klostergebäude erweisen sich als baufällig und zu klein für die stets wachsende Gemeinschaft. Schrittweiser Um- und Neubau der gesamten Klosteranlage.

1954-56
Neubau der Pfarrkirche und Umbau des alten Kirchenschiffs zum Nonnenchor. Die gesamte künstlerische Gestaltung (Altar, Fenster, Mosaiken) liegt in den Händen von Sr. Erentrud Trost OSB, die nach diesem Erstlingswerk zahlreiche weitere Aufträge zur Gestaltung von Kirchen im deutschsprachigen Raum erhält. Am 22. 9. 1956 feiert der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger die Weihe der neuen Abtei- und Gemeindekirche.

1960-1970er Jahre
Die wirtschaftliche Grundlage der Abtei wächst durch den Ausbau der Betriebe und Werkstätten (Hostienbäckerei, Paramentenwerkstätten, Landwirtschaft) sowie die Errichtung neuer Arbeitsbereiche (Mosaikwerkstatt, Weberei, wissenschaftliche Forschungsarbeiten, Arztpraxis, Buch- und Kunsthandlung). In den 1960-70er Jahren absolvieren Schwestern zunehmend handwerkliche Ausbildungen (Meisterprüfungen) sowie akademische Studien (Theologie).

1972
Nach dem altersbedingten Rücktritt von Äbtissin Juliana Tüte wählt die Gemeinschaft am 6. 3. Schwester Dr. Judith Frei OSB für drei Jahre zur Priorin-Administratorin.

1975
Judith Frei wird zur zweiten Äbtissin von Varensell gewählt. Am 17. Mai 1975 empfängt sie die Äbtissinnenweihe durch den Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt. Als Leitwort wählt sie eine Wendung aus dem zweiten Korintherbrief: „quasi morientes et ecce vivimus – Wir sind wie Sterbende, doch siehe: wir leben“. Unter ihrer Leitung wurden die äußeren und inneren Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils im monastischen Leben und in der Liturgie umgesetzt. Durch die langjährige leitende Mitwirkung von Äbtissin Judith Frei in überregionalen benediktinischen Gremien wuchsen Kontakt und Austausch der Abtei Varensell mit vielen anderen Klöstern.

1977
Bau des Gästehauses „St. Benedikt“, das in den folgenden Jahren die benediktinische Gastfreundschaft als geistlichen Dienst an den Menschen zu einem Charakteristikum der Abtei macht.

1970-1980
Bei der Neugestaltung der Liturgie des Stundengebets erarbeitet die Gemeinschaft eine eigenständige Lösung, die sowohl der lateinischen Tradition des Gregorianischen Chorals verpflichtet bleibt (Messgesänge, Laudes, Vesper und feierliche Vigilien in Latein), als auch der deutschen Muttersprache Raum gibt (Sext, Non, Komplet und Vigilien der Sonn- und Werktage).

1982
Inkorporation der Abtei Varensell in die Beuroner Benediktinerkongregation.

1980er Jahre
De Gemeinschaft übernimmt die Begleitung der Marientöchter aus Vadstena (Schweden), einer evangelischen, marianisch geprägten Gemeinschaft, die sich zur Aufnahme in die katholische Kirche und zur Übernahme der monastischen Lebensform nach der Benediktusregel entschlossen hat; es entsteht eine bleibende Verbundenheit zwischen der Abtei Varensell und den Benediktinerinnen am Omberg (Borgham)

2001/2002
Das 100-jährige Gründungsjubiläum, das die Gemeinschaft 2001-2002 mit zahlreichen Veranstaltungen und vielen Gästen feierte, gab Zeugnis von der lebendigen Verbundenheit mit den Menschen der nahen und weiten Umgebung sowie mit klösterlichen Gemeinschaften bis über den deutschen Sprachraum hinaus.

2005/2008/2009/2010
Grundlegende Renovierung des Gästehauses „St. Benedikt“.

2007
Nach der Amtsniederlegung von Äbtissin Judith wählen die Varenseller Benediktinerinnen Sr. Angela Boddem OSB zu ihrer Nachfolgerin; am 1. Mai 2007 empfängt sie als dritte Äbtissin von Varensell die Äbtissinnenweihe durch Erzbischof Hans-Josef Becker von Paderborn. Als Leitwort wählt sie ein Wort aus dem Johannesevangelium (vgl. Joh 15, 13): „ad maiorem caritatem – hin zur größeren Liebe“.

2007
Bau einer neuen Heizungsanlage auf Grundlage regenerativer Energien: Eine Holzhackschnitzelheizung versorgt Kloster und Kirche mit Heizwärme und Warmwasser.

2008/2009
Neugestaltung des Kreuzgartens im Innenhof der Klosteranlage.

2011
Neugestaltung des Vorplatzes der Abtei.

2012-2014
Sanierung des gesamten Klostergebäudes mehr»