Benedikt:
„Eine Schule für den Dienst des Herrn“

Das benediktinische Mönchtum hat seine Formung gefunden durch die Regel, die Benedikt von Nursia als Abt seinen Mönchen auf dem Montecassino gegeben hat. Doch tritt die Gestalt des Gründers ganz hinter ihr Werk zurück. Keine zeitgenössische Quelle berichtet über Benedikt, die Kenntnis seiner Persönlichkeit verdanken wir vor allem seiner Mönchsregel.

Papst Gregor d. Große (+ 604) widmet dem Abt von Montecassino das Zweite Buch seiner „Dialoge“ und zeichnet das Bild seines Lebens wie eine Ikone. Dieses Werk ist die einzige Quelle über das Leben und Wirken des Mönchsvaters. Danach lassen sich ungefähre biographische Daten angeben, die den äußeren Rahmen des Lebens Benedikts abstecken:

Benedikt wurde um 480 in Nursia, dem heutigen Norcia, im umbrischen Apennin als Sohn einer freien und wohlhabenden Familie geboren. Zum Studium wurde er nach Rom geschickt und geriet dort in eine tiefe Krise. Er spürte die Berufung zum Mönchtum und begab sich nach Enfide (Affile). Von dort zog er sich in eine Höhle bei Subiaco zurück, wo er drei Jahre als Einsiedler lebte. In Subiaco sammelten sich Mönche um ihn, die er auf zwölf kleine Klöster unter seiner Leitung verteilte. Der Tradition nach zog Benedikt im Jahr 529 mit einigen wenigen Mönchen weg von Subiaco auf den Montecassino, wo er ein Kloster gründete, das zum Ursprungsort des abendländischen Mönchtums werden sollte. Hier schrieb er während mehrerer Jahre seine Mönchsregel, die im Abendland bis zum hohen Mittelalter als einzige Klosterregel Gültigkeit hatte.

Das Todesjahr Benedikts kann nicht genau festgelegt werden. Traditionell wird das Jahr 548 angenommen, aber gute Gründe sprechen für ein späteres Datum, etwa um 560. Bald nach seinem Tod wurde Montecassino um 575 von den Langobarden erobert und die Mönche vertrieben, die nach Rom flüchteten. Erst 718 kehrten Mönche auf den Montecassino zurück.

Die Regel Benedikts zeichnet sich vor allem durch ihre geistliche Tiefe und ihre weise Menschenkenntnis aus. Neben grundlegenden Weisungen für ein lebendiges geistliches Leben enthält sie ganz konkrete Hinweise für den gemeinsamen Alltag der Mönche. Die Offenheit für eine Anpassung an unterschiedlichste Situationen, verbunden mit klaren Haltungen und Werten, macht die Regel Benedikts durch anderthalb Jahrtausende hindurch bis heute zu einem gültigen Maßstab für alle, die Gott suchen.

Die Benediktusregel in deutscher Sprache

Die Benediktusregel in deutscher und lateinischer Sprache (parallel)

Die Benediktusregel in lateinischer Sprache  (360 KB)


Studientage zur Regel Benedikts und zur benediktinischen Spiritualität
bietet das „Institut für benediktinische Studien“ (IBS) unter der Leitung von Sr. Michaela Puzicha OSB (Varensell/Salzburg) an:
IBS-Programm 2016

 

Das Hintergrundbild dieser Seite stammt aus dem Codex Sangallensis 915, Seite 35, Stiftsbibliothek St. Gallen / Codices Electronici Sangallenses: http://www.cesg.unifr.ch