
„Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen.Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren, dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“ (Prolog der Benediktusregel 45-49)
Benedikt nennt das Kloster eine „Schule für den Dienst des Herrn“. Er will mit seiner Regel, mit der Einrichtung dieser Schule die Mönche nicht überfordern. Vielmehr ermutigt er sie, trotz aller Härten und Unbilden auf dem Weg des Heils, zu dem Gott sie berufen hat, diesen Weg nicht zu verlassen, sondern auf ihm zu bleiben und weiterzugehen, um das Ziel zu erreichen. Dazu stellt er ihnen das Ziel des monastischen Lebens vor Augen: das weite Herz im Glück der Liebe.
Benedikt will der Regel keineswegs die Strenge nehmen, die sie ohne Zweifel auch bei ihm hat. Ebenso wird er jenem Wort eines Altvaters zustimmen, dass das Leben des Mönches Mühe ist, der er nicht ausweichen darf. Doch ist es ein Paradox des geistlichen Lebens: gerade auf dem engen Weg einer konsequenten Christusnachfolge – und nichts anderes will das monastische Leben sein – vermag sich unser Herz in „unsagbarer Süße der Liebe“ zu dem hin zu weiten und zu öffnen, der das Ziel unserer Sehnsucht ist.
Benedikt weiß – wohl aus eigener Erfahrung –, dass Gott schon in dieser Zeit unser Herz für ihn weiten kann, wie es im zugrunde liegenden Psalmvers heißt: „Ich eile voran auf dem Weg deiner Gebote, denn mein Herz hast du weit gemacht (dilatasti cor meum)“ (Ps 118[119],32). Ein solch „weites Herz“ macht uns fähig, auch unwegsame Strecken auf dem Weg der Gebote Gottes zu gehen, ja zu eilen.