Zu unserem Jahresleitwort 2011/2012:

„Spem suam Deo committere –
Seine Hoffnung Gott anvertrauen,
seine Hoffnung auf Gott setzen“

Hoffnung - ein „Werkzeug der geistlichen Kunst“
Im vierten Regelkapitel bietet uns der heilige Benedikt einen ganzen „Handwerkskasten“ an mit Werkzeugen der geistlichen Kunst. Eines dieser „instrumenta bonorum operum“ habe ich ausgewählt und möchte es uns für das kommende Jahr gleichsam in die Hand geben: das 41. Werkzeug „Spem suam Deo committere – Seine Hoffnung Gott anvertrauen“ oder auch „Seine Hoffnung auf Gott setzen“. Aus der Hoffnung auf Gott wollen wir leben und unsere Hoffnung ihm immer wieder anvertrauen.

Was aber verstehen wir unter Hoffnung?

Da ist die „große“ Hoffnung,
die christliche Tugend, über die Theologen und Philosophen seit zwei Jahrtausenden unzählige Bücher geschrieben haben. Die Hoffnung lässt den Menschen unterwegs bleiben auf ein endgültiges Ziel hin; sie stärkt unseren Glauben, sie erhält unsere Berufung lebendig. Ihren tiefsten Grund hat sie in Jesus Christus, ja er selbst ist „unsere Hoffnung“, so sagt es der Apostel Paulus zu Beginn des 1. Timotheusbriefes (vgl. 1 Tim 1,1).

Und da ist die „kleine“ Hoffnung, die uns den Alltag bestehen lässt, unscheinbar oft, in Treue und Verlässlichkeit; sie ist das Vertrauen, dass die Mühe sich lohnt, dass es morgen anders oder doch wenigstens besser wird. Diese kleine Hoffnung schreitet zwischen ihren zwei großen Schwestern Glaube und Liebe, und doch ist sie es, die sie voranzieht und mit sich reißt, wie Charles Péguy es in seinem „Mysterium der Hoffnung“ zum Ausdruck bringt.

 

(aus der Adventsansprache von Äbtissin Angela)