Karsamstag

 

Grabesruhe - in Hoffnung

Wir feiern Ostern.
Da geht es um Einen, der uns mitnehmen will.
Und Osten feiern,heißt: sich mitnehmen lassen, sich hineinnehmen lassen in das, was geschieht. Es geht dabei um Leben und Tod, für IHN und für uns, drei Tage lang.


Karsamstag: Der Tag der Grabesruhe.
Es herrscht Stille. Totenstille über dem Grab.
Und ein leises Ahnen, ein zähes Hoffen,
dass für Gott das Ende nicht das Ende sein wird.
Der dritte Tag wird kommen.


Aus einer Homilie des Epiphanius (+535) am großen und heiligen Sabbat:
Der Abstieg des Herrn in die Welt des Todes

Was ist das?
Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde,
tiefes Schweigen und Einsamkeit.
Tiefes Schweigen, weil der König ruht.
„Furcht packt die Erde, und sie verstummt“ (Ps 76,9),
weil Gott - als Mensch - in Schlaf gesunken ist
und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen.
Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt.
Gott ist für kurze Zeit in Schlaf gesunken
und hat die in der Welt des Todes auferweckt (vgl. Mt 27,52).

Er geht auf der Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen
wie nach dem verlorenen Schaf (vgl. Luk 15,3ff).
Besuchen will er,
„die völlig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Lk 1,79).
Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva
von ihren Schmerzen zu erlösen,
er, zugleich Gott und der Eva Sohn (vgl. Gen 3,15).

Er fasst Adam bei der Hand, hebt ihn auf und spricht:
Wach auf, Schläfer,
und steh auf von den Toten,
und Christus wird dein Licht sein! (Eph 5,14)
Ich habe dich nicht geschaffen,
damit du im Gefängnis der Unterwelt festgehalten wirst.
Steh auf von den Toten! Ich bin das Leben der Toten.
Steh auf, mein Geschöpf,
steh auf, meine Gestalt, nach meinem Abbild geschaffen!
Erhebe dich, lass uns weggehen von hier!
Du bist in mir und ich in dir (vgl. Joh 17, 21.23),
wir sind eine unteilbare Person.

Deinetwegen wurde ich dein Sohn, ich, dein Gott.
Für dich nahm ich, der Herr, deine Knechtsgestalt an.
Für dich kam ich auf die Erde und unter die Erde,
ich, der über den Himmeln thront.
Für dich, den Menschen, bin ich ein Mensch geworden,
„ohne Hilfe, frei unter den Toten“ (Ps 88, 5.6 (LXX)).

Du wurdest vom Garten ausgestoßen –
ich wurde vom Garten aus überliefert und in einem Garten begraben.
Sieh den Speichel in meinem Gesicht!
Deinetwegen ließ ich es geschehen,
um dir den Anhauch des Ursprungs wiederzugeben (Gen 2,7).
Sieh die Backenstreiche, die ich empfing,
um deine verderbte Gestalt nach meinem Bild wiederherzustellen.
Sieh die Spur der Geißelhiebe auf meinem Rücken, die ich mir gefallen ließ,
um deine Sünden zu vernichten, die auf deinem Rücken lasten.
Sieh meine Hände,
die so glückverheißend mit Nägeln an das Kreuz geheftet sind, deinetwegen: denn du strecktest einst zu deinem Unglück deine Hände aus nach dem Holz.
Ich entschlief am Kreuz, und die Lanze durchbohrte meine Seite,
für dich, denn im Paradies fielst du in Schlaf
und brachtest aus deiner Seite Eva hervor.
Meine Seite heilte die Wunden deiner Seite.
Mein Schlaf wird dich aus dem Schlaf der Totenwelt herausführen.

 

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