Karfreitag

 

Genagelte Hand am Kreuz

Wir feiern Ostern.Da geht es um Einen, der uns mitnehmen will.Und Osten feiern,heißt: sich mitnehmen lassen –sich hineinnehmen lassen in das, was geschieht.Es geht dabei um Leben und Tod, für IHN und für uns,drei Tage lang.

Sich hineinnehmen lassen in das, was geschieht -
nie ist das so schwer wie am Karfreitag.
Nie ist das so schwer wie am Tag des Leidens und Sterbens Jesu.
„Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe,
die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn.“
Das wollen wir nicht: dass einer leidet und stirbt.
Wir wollen auch nicht, dass wir selber leiden und sterben.
Nichts im Leben fürchten wir so wie das Leid und den Tod.
Und doch erleben wir sie Tag für Tag, rund um uns her und jeder für sich.
Auf jedes Leben kommt es zu, keines bleibt davon unberührt,
vom Leid in all seinen vielen Gesichtern und Formen:
Hunger und Elend, Krankheit und Schuld,
Unrecht und Hass, Gewalt und Vernichtung,
Katastrophen und Kriege, Alter und Einsamkeit,
Verzweiflung und Ohnmacht und Schmerzen.
Wir wollen es nicht, wir fürchten es, wir sträuben uns und fliehen davor –
und doch ist es da, ganz unausweichlich,
unerbittlich und hart und scharf – wie ein Nagel in meiner Hand.
Auch Jesus wollte das Leiden nicht.
Er hat es gefürchtet und hat Blut geschwitzt vor Angst.
Aber er wich nicht aus und floh nicht davor – unseretwegen.
Im grenzenlosen Vertrauen auf seinen Vater im Himmel
und in grenzenloser Liebe zu uns
geht er mit uns hinein – und lässt sich darauf festnageln:
Er lässt sich festnageln auf dem harten Holz des Leidens und Sterbens.
Er lässt sich darauf festnageln – mit weit geöffneten Armen:
weit geöffnet für die, die er liebt, weit geöffnet, für alle, die leiden,
weit geöffnet für uns – und für alle.
Er geht mit uns hinein – in alles Leid dieser Welt.
Und so nimmt er uns hinein – in seinen Glauben, in sein Hoffen
und in die große Liebe seines Vaters.
Der gekreuzigte Jesus hält uns die Hand hin,
von Nägeln durchbohrt und verwundet:
„Leg deinen Nagel in meine Hand,
leg dein Leid und das Leid aller Menschen
in meinen Glauben hinein,
in meine Hoffnung hinein,
in meine Liebe hinein.
Nimm mich hinein in deine Not,
und lass dich mitnehmen auf meinem Weg – ins österliche Leben.“


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