Gründonnerstag

 

Gebrochenes Brot

Wir feiern Ostern.
Da geht es um Einen, der uns mitnehmen will.
Und Osten feiern,heißt: sich mitnehmen lassen –
sich hineinnehmen lassen in das, was geschieht.
Es geht dabei um Leben und Tod,
für IHN und für uns, drei Tage lang.

Am Abend des Gründonnerstag sitzen wir mit Jesus am Tisch.
Es ist sein letzter Abend, und er weiß es.
Er weiß, was ihm bevorsteht: Verrat und Verhaftung,
Verhöre und Misshandlung, das Todesurteil und das Kreuz.
Es sieht so aus, als ob seine Botschaft gescheitert ist:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe!“ (Mk 1,15)
Sein Wort wurde wahr in dem, was er tat:
in Heilung, Vergebung und Festmahl für alle.
Aber sie wollen es nicht, die Großen des Volkes wollen es nicht.
Sie trachten ihm nach dem Leben, und morgen wird man ihn töten.
Das ist das Ende, so sieht es aus, und er weiß es.

Und doch bleibt er dabei, bleibt er sich treu und weicht nicht aus:
Er setzt seine Hoffnung auf Gott – noch immer.
Es ist Pascha, das Fest des Exodus, der Befreiung Israels aus Ägypten.
Das Abendmahl ist das Pascha-Mahl, der Durchzug vom Tod zum Leben:
Das Lamm wird geschlachtet, das Brot geteilt und Wein getrunken,
in jedem jüdischen Haus zieht man jetzt aus Ägypten aus – noch immer.
Und in das alte Geschehen des Exodus legt Jesus nun seinen Tod hinein.
Er nimmt das Brot und den Wein, er dankt und sagt:
„Nehmt und esst, nehmt und trinkt –
das bin ich: für euch.“
So legt er sich selbst hinein – in das Zeichen von Brot und Wein.
Er legt sich selbst hinein – und verschenkt sich: „für euch“,
und das heißt: für uns.
Der zerschlagene Leib – im gebrochenen Brot.
Nehmt und esst: Das bin ich für euch.
Da verschenkt sich einer – ganz – an uns.
Er verschenkt sein Leben, er verschenkt seinen Tod,
er verschenkt sich selbst und alles, was mit ihm geschehen wird
in diesen drei Tagen auf Leben und Tod.
„Nehmt und esst“ heißt: nehmt mich auf, nehmt mich hinein in euch.

Wie Brot, das ihr teilt, das ihr esst, das euch ernährt
und das dabei in euch verwandelt wird,
so nehmt mich auf – so bin ich für euch.

Ihr nehmt mich auf, und ich nehme euch hinein.
in das, was an mir geschieht;
so lasst es auch an euch geschehen:
Das Geheimnis vom Leiden und Sterben und Auferstehen.

 

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