Chorfenster

Obviam Christo Domino –
Christus, dem Herrn, entgegen

Fünf kluge Jungfrauen aus dem Gleichnis beim Evangelisten Matthäus (Mt 25,1-13), in festliche Gewänder gekleidet, sind eingeladen, dem Bräutigam entgegenzugehen und am Hochzeitsmahl teilzunehmen. Lange lässt er auf sich warten – doch sie stehen bereit. Aufmerksam horchen sie in die Nacht hinein und halten Ausschau in die Richtung, aus der sie ihn erwarten.

Voll Sehnsucht auf das Kommen des Herrn zu warten, wach und gespannt, ist die Haltung der frühen Kirche. Es ist auch die Haltung der Mönche und Nonnen. Sie rechnen mit dem Kommen des Herrn – in jedem Augenblick, und besonders wenn es „Nacht" wird. Wer es versteht, in Stille zu warten und Ausschau zu halten, kann das Nahen des Herrn wahrnehmen.

Nicht alle der jungen Frauen blicken nach vorn. Besorgt und zweifelnd schaut die mittlere auf ihr Licht: Wird es brennen bleiben, bis das Ziel erreicht ist? Schützend hält sie die Hand vor die Flamme – die doch stark genug ist, um gerade und ruhig emporzusteigen.

Die anderen nehmen sie ganz selbstverständlich in ihre Mitte, beziehen sie ein in ihre gespannte Erwartung. Sie kümmern sich nicht um sich selbst, nicht um ihre Lampen, die voll Öl sind und die sie mit beiden Händen umfassen. Es geht ihnen nur um das Eine: Ausschau zu halten nach dem Bräutigam, dem sie gleichsam „Auge an Auge" entgegenblicken.

„Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!" Dieser mitternächtliche Ruf aus dem Evangelium ist unserer Gemeinschaft als Leitwort gegeben: „Obviam Christo Domino". Der Ruf gilt uns, wenn wir mit den klugen Jungfrauen bereit sind, uns gemeinsam – mit all unseren Schwächen und Ängsten – auf den Weg zu machen, um Gott zu suchen. Der Ruf gilt jedem, der im Gebet, in der Wachsamkeit des Herzens den Herrn erwartet.