Chorfenster

Meister, wo wohnst du?
Kommt und seht!

Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 1,35-39) erzählt der Evangelist, wie zwei Jünger Johannes des Täufers auf dessen Hinweis hin Jesus folgen. Dort heißt es:

Jesus aber wandte sich um,
und als er sah, dass sie ihm folgten,
fragte er sie: „Was sucht ihr?"

Am Anfang des Weges mit Jesus steht seine Frage an jede und jeden von uns: „Was suchst du?" Sie zielt in das Herz des Menschen, in sein tiefes Wünschen und Sehnen. Dort in der Tiefe beginnt die Suche, dort will Jesus Menschen ergreifen und sie erfüllen.

Die Johannesjünger antworten mit einer Gegenfrage: „Meister, wo wohnst du?" Er antwortete: „Kommt und seht!"Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm.

„Meister, wo wohnst du?" Diese Gegenfrage führt die beiden in die Gemeinschaft mit Christus. Es geht den beiden um mehr als um seine Adresse. Sie sind auf der Suche, sind offen, sie fragen nach ihm… Und er lädt sie ein.

„Kommt und seht!" Diese Einladung ergeht nicht nur einmal, sondern immer wieder auf dem Weg des Lebens, bis hin zur letzten, endgültigen Einladung in die Wohnung im Haus des Vaters, in die Christus uns einst zu sich holen wird. Im Kommen und im Schauen werden wir Ihn erfahren – und finden (vgl. Joh 14).

Anfang und Ziel dieser Einladung ist Christus. Er weist uns, die wir auf der Suche nach Gott sind, den Weg. Er zeigt uns den Ort unserer Berufung, unsere Wohnung. Im Bild deutet er auf die Türme der Abtei Unserer Lieben Frau in Varensell: Für uns Schwestern ist dies der Ort unserer Berufung. Für andere Gottsucher ist es ein anderer Ort, sind es vielleicht viele Orte.

Wir sind dort zu Hause, wo Christus ist, wohin er uns beruft.