„Ad maiorem caritatem - hin zur größeren Liebe“
Der Wahlspruch von Äbtissin Angela

  • Weihebild der Äbtissin

 

In der Pfingstdarstellung des Salzburger Perikopenbuches aus dem 11. Jh.steht ein flammendes Rad mitten im Kreis der Apostel und bindet sie zu einer Gemeinschaft zusammen: ein ausdrucksstarkes Sinnbild des Geistes Gottes, der die Liebe ist.

Im 6. Jahrhundert hat der Mönch Dorotheus von Gaza das geistliche Bild vom Rad geprägt:
„Je mehr ein Mensch seinem Nächsten verbunden ist, desto mehr ist er auch Gott verbunden. Ich will euch dafür ein Beispiel erzählen, das ich von den Vätern gelernt habe:
Stellt euch in die Erde gezeichnet einen schönen runden Kreis vor und mitten darin das Zentrum, ebenso in die Erde eingeprägt. Und nun hört bitte gut zu, was ich euch sage: Nehmt an, der Kreis sei die Welt, der Mittelpunkt sei Gott, und die Linien, die den Kreis mit dem Mittelpunkt verbinden, seien die Wege, auf denen die Menschen gehen. Wenn die Menschen Gott näher kommen wollen, gehen sie auf die Mitte zu und kommen so auch einander näher. Je näher sie einander kommen, umso näher sind sie auch bei Gott. Das ist das Wesen der Liebe.
Wenn wir draußen sind und Gott nicht lieben, sind wir auch von unserem Nächsten weit entfernt. Wenn wir aber Gott lieben lernen, dann wird dies geschehen: je näher wir zu Gott kommen, desto enger werden wir in Liebe mit dem Nächsten verbunden sein und so noch mehr mit Gott.
Er gebe uns die Gnade, diese Lehre zu verstehen und nach ihr zu leben.”

 

Das Äbtissinnenkreuz von Mutter Angela ist dem flammenden Rad im Pfingstbild nachgestaltet. Auf der Rückseite des Kreuzes ist ihr Wahlspruch eingraviert, der als Leitwort über ihrer Amtszeit steht:

 „Ad maiorem caritatem - hin zur größeren Liebe” 

Dieses Wort lehnt sich an die Worte Jesu im Johannesevangelium an:

„Das ist mein Gebot: 
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. 
Es gibt keine größere Liebe, 
als wenn einer sein Leben hingibt 
für seine Freunde.” 
(Joh 15, 12-13)

Die Liebe Gottes anzunehmen – persönlich und als Gemeinschaft – und dann einander und den Menschen weiterzuschenken, immer mehr in dieser Liebe und aus ihr zu leben, ist Anfang und Ziel eines lebendigen christlichen Glaubens – nicht nur im Kloster. 

In ihrem Wahlspruch „hin zur größeren Liebe” stellt Mutter Angela die klösterliche Gemeinschaft in eine stete Dynamik hinein: als Einzelne wie als Gemeinschaft in Bewegung zu bleiben, zu wachsen, unterwegs zu sein - „hin zur größeren Liebe“.

Auch im Ring der Äbtissin, Zeichen der Treue und Verbundenheit zu ihrer Gemeinschaft, klingt das Motiv des pfingstlichen Rades an: Im schlicht gefassten Edelstein leuchtet der tiefrote Mittelpunkt des Rades auf: die „je größere” Liebe, die Gott selbst ist.